Demokratie & Vielfalt

Identitätspolitische Ansätze im Dilemma: zwischen Machtkritik und Fehlerkultur, Spaltung und Bündnisgemeinschaft

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25.06.2021  bis  27.06.2021

Identitätspolitische Ansätze im Dilemma: zwischen Machtkritik und Fehlerkultur, Spaltung und Bündnisgemeinschaft

Fortbildung für Trainer*innen und Multiplikator*innen der politischen Bildung

Trainer*innen oder TrainerInnen oder Trainerinnen und Trainer oder Trainer/-innen oder Trainer_innen oder Trainer:innen? Wie sollen wir die Zielgruppe dieser Veranstaltung ansprechen?
Ist das wichtig? Ja, selbstverständlich. Denn Sprache konstruiert Wirklichkeit und die Form der Ansprache exkludiert oder inkludiert. Kritiker*innen halten dagegen, der identitätspolitische Diskurs handele nicht von Politik, sondern von Zeichen. Ist Sprache also wirklich immer schon Handlung? Oder „verschlingt uns Zeichenpolitik wie Treibsand. Je heftiger man dagegen anstrampelt, desto heftiger versinkt man in ihr („Identitätspolitik ist Zeichenpolitik“*1). Dies ist nur ein Dilemma identitätspolitischer machtkritischer Ansätze. Andere Spannungsfelder ergeben sich, z.B. im Kontext der „Critical Whiteness“-Theorie daraus, dass Worte oder Taten immer nach dem Sprecher*innen-Standort beurteilt werden sollen oder müssen. Soll diese Veranstaltung offen ausgeschrieben sein? Oder getrennt für „Weisse“ und „People of colour“. Denn gefordert werden ja Safe-Spaces für PoC, von weissen Machtstrukturen freie Orte. Bedeutet das befreiende Anliegen dieses Antirassismusansatzes „neues Stammesdenken“?*2), wie Kritiker*innen sagen, und in der Konsequenz Segregation?
Übersehen wir, wer applaudiert und genüsslich die Spaltung des linken und linksliberalen Lagers aufgreift? (und „national befreite Zonen“ als safespaces für Weisse postuliert) Und wenn es mehr drauf ankommt, wer was sagt, als was gesagt wird, schlägt dann das Befreiungsziel um in Unfreiheit durch autoritäre (Sprach-+Sprech-) Verbote, wie Kritiker*innen zu Bedenken geben und anführen: “Wenn Rechte nicht erkämpft, sondern, Privilegien gestrichen werden, dann ist das Maß für gesellschaftliche Fortschritt nicht gewonnene Freiheit, sondern gleich verteilte Repression.“*3

Sind dies nur die Bedenken von privilegierten Weißen, die nicht mehr über PoC urteilen und bestimmen dürfen? Verwechseln diese ihre „White Fragility“*4) mit „Identitätspolitik“? Ist die Einteilung in PoC, Weisse, Hetereosexuelle und LGTBQA+ in der Tat eine Einteilung in Opfer und Täter*innen? Wird dabei Raum für Differenzierung, für Solidarität und Bündnispartnerschaft verschenkt – oder eher ermöglicht? Wie groß ist die Spaltung entlang dieser Fragen schon - „eigenen Lager“ („Linksliberale“ und „Linksidentitäre“ *5) Wie groß ist die Verunsicherung? Brauchen wir nicht „unendliche Solidarität“? *6

Die Veranstaltung lädt dazu ein, sich diesen Fragen und Dilemmata zu stellen, Konsequenzen für das eigene politische und pädagogische Handeln (selbst-) kritisch zu reflektieren, innere und äußere Kontroversen zu begrüßen und dadurch der Verhärtung in den Positionen und einer Spaltung entgegenzuwirken.
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*1) Lars Weisbrod „Warum man nicht mehr Identitspolitik sagen sollte...“ ZEIT 17.9.2020
*2) vgl. Miriam Lau in „Dein Glück ist mein Unglück“, ZEIT , 25.7.2019
*3) Leo Fischer in „Beißreflexe“, Hrsg: Patsy Lamour Lalove., zitiert nach ZEiT, 25.7.2019
*4) vgl. Robin DiAngelo „White Fragility – why it`s so hard for white people to talk about racism“, 2018
*5) vgl. Justus Bender: „Links-Liberal-Identitär“. FAS,2.8.2020
*6) Marina Weisband: „Warum bekämpfen wir Linke uns so oft gegenseitig“? , ZEIT, 9.7.2020

Programm

In dieser Tagung sollen Trainer/-innen der politischen Bildung die Gelegenheit erhalten, sich mit dem Diskurs um identitätspolitische machtkritische Ansätze auseinanderzusetzen und mit Referent/-innen, die sich dazu unterschiedlich positionieren, zu diskutieren. M.Luther Kings legendäre Rede, in der er seinen „dream“ formulierte, dass alle Menschen nicht mehr nach der Hautfarbe beurteilt werden, sondern nur nach dem Charakter, liegt 52 Jahre zurück. Bricht eine weltweite Antirassismus-Bewegung derzeit mit dieser antirassistischen Tradition, wenn sie einfordert, dass Worte oder Taten nach dem Sprecher/-innen-Standort beurteilt werden (War es ein/e „PoC“ oder ein „toxischer Weisser“ ?). Können und müssen nur so zementierte Machtverhältnisse ins Schwanken gebracht werden oder befördert die Einteilung in Opfer und Täter neues Stammesdenken? Wieviel Raum für Bündnispartnerschaft wird da verschenkt? Und schlägt das befreiende Anliegen nicht um in Unfreiheit, wenn Sprech- und Sprachverbote verhängt werden und „culture cancelling“ zur legitimen Massnahme wird? Die Veranstaltung lädt dazu ein, sich diesen Fragen und Dilemmata zu stellen, Konsequenzen für das eigene politische und pädagogische Handeln zu reflektieren, Kontroverse zu begrüßen und gerade dadurch Verhärtung der Positionen und Spaltung entgegenzuwirken.

Beitrag

250

DZ/VP

Beitrag ermäßigt

195

DZ/VP

für Studierende und Erwerbslose

Anmeldung

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